Kultur wirkt.
Hans Knopper M.A.
JugendKulturFestival Solingen 2002
JugendKulturFestival Solingen 2002
Hrsg. : Jugendförderung Solingen und Kulturbüro Solingen,
Grafik und Produktion deus werbung, Solingen,
Kommentare von Jürgen Beu und Hans Knopper,
weitere Texte: Claudia Lunau, Zita Götte u. a.
Fotos: Claudia Lunau, Web-Mobil, Andreas Deus, Zita Götte, Moritz Götte.-
Entstanden im Auftrag des Kulturausschusses der Stadt Solingen in Zusammenarbeit mit dem Jugendstadtrat, Kommunlapolitikern, Mitarbeitern der Stadtverwaltung und vielen Solinger Jugendlichen.
Nachfolgend der Kommentar von Hans Knopper:
Kultur und ihre Zukunft
Jeder, der Kulturveranstaltungen organisiert, muss sich früher oder später mit Begriffspaaren wie Tradition und Erneuerung, Kunst und Kommerz oder elitär und populär auseinandersetzen. Das Publikum, Ziel aller Bemühungen, bewegt sich zwischen diesen Polen seinen Vorlieben entsprechend teilweise starr und teilweise ausgesprochen quecksilbrig hin und her. Im Regelfall ist das Publikum in den Köpfen der Kulturmacher unter den oben genannten Aspekten nur abstrakt als passiver Empfänger in einer Einbahnstraßenkommunikation vorhanden.
Konsumenten und Macher als gemeinsame Gruppe zu begreifen, sie zusammenzuführen bzw. ihre Trennung in zwei Lager möglichst lange zu vermeiden, gehört zu den tragenden Ansätzen dieses ersten Solinger Jugendkulturfestivals: Jugendliche Kultur von Jugendlichen selbst ausgewählt, gestaltet, im ästhetischen Sinne verantwortet und von ihnen selbst mit konsumiert. Schmerzhafte Voraussetzung ist dabei für alle beteiligten Jugendlichen und Erwachsenen, ob als Macher oder Konsumenten, die lieb gewonnenen begrifflichen Einteilungen (s. o.) in Frage zu stellen bzw. neu zu durchdenken. Möglich wird das, indem das Machen, dem Ausprobieren, dem offenen gegenseitigen Zuhören breiter Raum gewährt wird. Ein breiterer Raum jedenfalls, als im traditionellen Kulturbetrieb üblich, in dem eben Begriffe wie Kunst und Kommerz, Tradition und Novität eine Art intellektuellen Handlauf bilden.
Das Neue, das Frische am Jugendkulturfestival sind deshalb vor allem die Erfahrungen, die alle gemeinsam miteinander machen. Das tradierte Publikum wird so, wenn es kommt, noch einmal wie die jungen Akteure und das junge Publikum zu Debütanten.
Tendenzen, Interessenslagen und Ausdrucksformen, die in die Gesellschaft nachwachsen, können so gemeinsam in ihrer Wirksamkeit erstmals erlebt und/oder nochmals ausprobiert werden. Ein Experimentierfeld mit vielen Laboranten ohne echten Laborleiter. Eine Versuchsanordnung aus dem alle ihre auch unerwarteten Schlüsse ziehen können. Die so strukturierten Orte des kulturellen Austauschs schaffen vielfältige Kommunikation. Wenn das junge Publikum und die jungen Akteure sich mit ihren selbst organisierten, gestalteten Veranstaltungen öffentlich formieren und zur Diskussion stellen, ist eine wesentliche Grundlage für unsere gemeinsame kulturelle Zukunft geschaffen.
Hans Knopper, 2002
